Der König von Westphalen
Hieronymus (Jérôme) Bonaparte
Quelle: Diverse)
1. Die Familie
Bonaparte
2. Hieronymus
Bonaparte; seine Person
3. Sein Wirken
in Westphalen
4. Vorrede in
die Gesetze
1. Die Familie
Bonaparte (Buonaparte)
Stammwappen
der Familie Bonaparte
Die Bonaparte (eigentlich Buonaparte) waren
ursprünglich eine Patrizierfamilie aus Sarzana, die seit
1529 in Ajaccio (Korsika) nachweisbar
ist und seit 1567
dort ihren Sitz hat. Seit der Krönung Napoléon Bonapartes zum Kaiser 1804 hatte sie den Rang
des französischen Kaiserhauses. Mit den Eroberungen Napoleons wurden die
Mitglieder seiner Familie auch in anderen Staaten als Herrscher installiert.
Carlo Maria Buonaparte (* 29. März
1746 in Ajaccio; † 24. Februar
1785 in Montpellier)
2. Hieronymus (Jérôme)
Bonaparte; seine Person
Wir,
Hieronymus Napoleon, von Gottes Gnaden und durch die Constitution
König
von Westphalen
Jérôme Bonaparte war Offizier in der
französischen Marine. Er kämpfte in Westindien gegen die Engländer. Er wurde
dort fahnenflüchtig und floh in die USA. Im Jahr 1803 fand er in Elizabeth
Patterson, Tochter eines Baltimorer Kaufmanns, seine 1. Ehefrau, die er ohne
die Zustimmung seines Bruders des Kaisers Napoleon heiratete. Da Jérôme das
Geld ausging, reiste er nach Frankreich zurück und suchte die Versöhnung mit
seinem Bruder. Seine Frau durfte nicht mit einreisen, und musste nach England
zurückkehren. Hier gebar sie ihren gemeinsamen Sohn, Jérôme Napoléon Bonaparte.
Diese Ehe wurde später durch Napoléon annulliert.
Damit Jérôme standesgemäss heiraten
konnte, wurde er 1807 durch Napoléon mit Katharina von Württemberg zwangsverheiratet.
Sie war die Tochter von König Friedrich
I. von Württemberg. Sie heirateten in Paris. Durch
Katharina von Württemberg wurden ihm 3 Kinder geschenkt.
Jérôme und Katharina von Westphalen als König und Königin
des Königreichs Westphalen
Im gleichen Jahr, nach dem „Tilsiter
Frieden“, wurde Jérôme, auf geheiss seines Bruders, König vom neu gegründeten Modellstaat,
dem Königreich Westphalen. Als 23jähriger wurde er somit König und Herrscher
von seines Bruders Gnaden. Durch seinen verschwenderischen Lebensstiel wurde er
vom Volksmund daher auch „König Lustigk“ genannt.
Als Kommandant des rechten Flügels
der Grande Armée nahm Jérôme 1812 an Napoleons Russland-Feldzug teil. Als sich
1813 der Niedergang Napoleons abzeichnete, ging er ins Exil. Im Jahre 1815
kämpfte er nochmals, an Napoleons Seite, in der grossen Schlacht von Waterloo
(auch Schlacht bei Belle-Alliance).
Ab 1816 lebte er als Fürst von
Montfort in Österreich, Italien und der Schweiz. Der Titel wurde ihm durch
seinen Schwiegervater, dem König von Württemberg, zuerkannt. 1848 als sein
Neffe, Prinz Louis Napoléon, der spätere Napoléon III französischer Präsident
wurde, ernannte er Jérôme zum Gouverneur des Invalidendoms. Im Kaiserreich
Napoléon III wurde er 1850 zum Marschall von Frankreich, und 1852 Präsident des
französischen Senats. Seinen Titel „kaiserlicher Prinz“ wurde vom Senat
bestätigt.
Nach dem Tod Katharinas heiratete
Jérôme in dritter Ehe am 19. Februar 1853 in Florenz Giustina Pecori-Suarez.
Sie war die Witwe eines italienischen Adligen
Jérôme Bonaparte verstarb in
Villegenis (Massy, Departement Essone), und wurde im Invalidendom in Paris
beigesetzt.
3. Sein Wirken
in Westphalen
Bei
seiner Thronbesteigung 1807 versprach Jérôme Bonaparte dem Volke
im
neu gegründeten Königreich Westphalen
„Indem ich den
Thron besteige, verpflichte Ich Mich, Euch glücklich zu machen, und ich werde
diesem Gelübde treu sein“.

Wappen
des Königreichs Westphalen
Als am 7. Dezember 1807 die
Monarchie „Königreich Westphalen“ gegründet wurde, setzte Kaiser Napoleon seinen
jüngsten Bruder, Jérôme (Hieronymus) als Staatsoberhaupt und neuen König ein. Ziel
und Zweck dieses neuen Modellstaates war; die Errungenschaften der
französischen Revolution über die Grenzen von Frankreich zu exportieren. Er
beabsichtigte, die politischen und kulturellen Neuerungen des Code Napoleon
einzuführen. Dieses vor allem im Bereich der Verwaltung, Justiz und
Gesetzgebung. Er brachte u. a. auch die Religionsfreiheit nach Deutschland.
Durch die Bildung eines damals modernen säkularen Staates kam auch, eine zuvor
unbekannte, allgemeine Wehrpflicht.
Diese Reformen wurden durch Jérôme
im neuen Königreich durchgeführt. Als eines der wohl wichtigsten Veränderungen
war die Aufhebung der Leibeigenschaft. Auch wurden die Patrimonial-Gerichte
abgeschafft. Es wurden die Gewerbefreiheit, der Code Civil und die Führung von
Kirchenbuchduplikaten eingeführt. Das Land erhielt, erstmals in einem deutschen
Flächenstaat, am 15. November 1807 eine schriftliche Verfassung. Jérôme setzte
diese einen Tag, nachdem er in seinem neuen Königreich angekommen war, am 7.
Dezember 1807 in Kraft. Am 25 Dezember 1809 stiftete er in Paris einen „Orden
der Westphälischen Krone“.
In den sechs Jahren seiner
Herrschaft, blieben viele Reformen naturgemäss Stückwerk. Dennoch darf man behaupten,
dass das Königreich Westphalen als ein
wichtiger Impulsgeber der Demokratie in Deutschland gewesen war.
Das politische Programm des jungen
Staates wurde in Paris entworfen – aber Jérôme setzte es durch. Er geht sogar
über die Reformpläne Napoleons hinaus und garantierte den Juden volle
Bürgerrechte.
Leider waren alle Reformvorhaben nur
begrenzt erfolgreich. Der ständige Geld- und Menschenbedarf für die
napoleonischen Kriege liess das Land ausbluten. Durch die Einführung der
allgemeinen Wehrpflicht verloren 25'000 Westphalen in Napoleons Russlandfeldzug
ihr Leben. Bespitzelung und polizeistaatliche Unterdrückung sollten die Bürger
zur Raison bringen. Diese Massnahmen rief die Bevölkerung zu Aufständen und
Widerstandshandlungen auf. Der Aufstand von 1809 unter der Führung von Wilhelm
Freiherr von Dörnberg war der umfangreichste dieser Erhebungen.
Als Jérôme
schliesslich aus Kassel vertrieben wird, ist sein Musterstaat pleite
BULLETIN
DES LOIS ET DECRETS
DU
ROYAUME DE WESTPHALIE
SECONDE EDITION OFFICIELLE
A CASSEL,
DE L’IMPRIMERIE ROYALE
1810
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Bülletin
der Gesetze
und Decrete
des
Königreichs
Westphalen
Zweite
officielle Auflage
Cassel,
in der
königlichen Buchdruckerei
1810
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Vorrede in die
Gesetze
Diese von der Regierung genehmigte, und unter
deren Augen gedruckte Ausgabe wird, einer besseren
Methode wegen, und um das Auffinden zu erleichtern,
die Gesetze und Decrete nach der Ordnung ihres
Datums enthalten; dabei wird jedoch immer die
Nummer des Bülletins, in welches sie eingerückt
gewesen sind, bemerkt werden.
Man hat die bei dem ersten Abdrucke begangenen
Irrthümer und Fehler sorgfältig verbessert, damit
diese Ausgabe so vollkommen als möglich sey.
Die unter dem Texte befindlichen Anmerkungen
weisen auf die neueren Verfügungen hin, wodurch
die Bestimmungen der früheren Gesetze und Decrete
abgeändert oder zurückgenommen worden sind, und
zeigen auch die Veränderungen an, welche mit der
Territorial-Eintheilung nach Departements, Districten,
Cantons und Communen vorgenommen worden sind.