Brief der Madame Jérôme Bonaparte (Elisabeth Patterson)

an ihren Vater in Baltimore vom 16. Oktober 1821

 

Genf, 16. Oktober 1821

 

Teuerer Sir!

 

Auf Anraten Vieler habe ich beschlossen, dennoch kommenden Winter in Rom zu verleben, und Bonaparte mit mir dahin zunehmen. Ich verhehle mir keineswegs, dass dieser Schritt meinem Sohne keinen anderen Nutzen bringen dürfte, als die Einsicht, dass er sich auf niemanden zu stützen hat. als auf sich, und sein endlicher Erfolg von ihm selbst ausgehen muss.

 

Meine Absicht war, diesen Schritt noch zwei Jahre hinauszuschieben, da jedoch die alte Frau und auch die Fürstin am Ende nicht mehr so lange leben dürften, hat man mir eingewendet, dass ich Gefahr laufe, mir eine Gelegenheit entschlüpfen zu lassen, die später unwiederbringlich verloren sein könnte.

 

Ich kann hinzusetzen, dass ich der gütigen Vorsehung danke, welche die Sorgen einer zahlreichen Familie von mir ferngehalten hat. In allen meinen Prüfungen und Enttäuschungen tröstet mich der Gedanke, bloß ein Kind zu haben. Ich halte es für ein Ding der Unmöglichkeit, Kindern, deren Eltern sich nicht vollständig in Not befinden, hinreichendes Verständnis für Sparsamkeit und Fleiß beizubringen. Nur solche, die in Mitte von Entbehrungen und Hunger aufgewachsen sind, begreifen, welche Thorheit darin liegt, Geld und Zeit an Nutzloses zu vergeuden.

 

Ich habe drei Plätze eines Wagens gemietet, der sechs Sitze enthält. Der Preis von hier nach Rom beträgt fünfzehn Louisd’or für die Person, das Nachtlager mit eingerechnet. Feuer, wenn es erforderlich ist, und zwei Mahlzeiten täglich.

 

Sieben Louisd’or muss ich allein für mein Kammerjungfer bezahlen, obgleich ich sie bei dem Kutscher auf dem Bocke sitzen lasse. Trinkgelder heißt es auch in den Gasthäusern zu geben, und mindestens drei Louisd’or dem Kutscher bei unserer Ankunft, wenn wir mit seiner Dienstleistung zufrieden sind.

 

Da wir nach Tagen zahlen, können wir nach Willkür uns in größeren Städten unterwegs aufhalten.

 

Dieser Pakt gilt als einer der preiswürdigsten, die hier abgeschlossen worden sind, indessen ich die Sache hinlänglich teuer finde.

 

Ihre Sie liebende

E. P.

 

 

 

Postskriptum.

 

Bonaparte ist sehr groß geworden, und ich bin überzeugt, dass er ebenso fleißig und viel versprechend ist, wie andere Kinder seines Alters. Allein ich halte den Kummer und die Besorgnis einer Mutter für etwas zu bedeutendes, als das schon ein gewöhnlicher Erfolg sie dafür schadlos halten sollte.