Brief der Madame Jérôme Bonaparte
(Elisabeth Patterson)
an ihren Vater in Baltimore vom 6. Mai
1823
Paris, 6. Mai 1823
Teuerer Sir!
Während der letzten
zwei Jahre wurden mir für Bonapartes Unterhalt ziemlich regelmäßig zwölfhundert
Dollars per annum ausbezahlt; da er (Jérôme)
jedoch ruiniert ist, habe ich wenig Aussicht, diese Summe noch weiter zu
erhalten, lege darum auch nicht einen Heller mehr aus, als ich anwenden würde,
im Falle er Nichts zugesagt hätte. Kommt mir dieser Betrag zu, sehe ich ihn als
etwas dem Feuer Entrissenes an, das ich dankbar hinnehme.
Aber Niemand möge
glauben, dass ich töricht genug sei, mein Geld zum voraus aufs Ungewisse
hinzugeben.
Bonaparte hat von
allen Ständen Europas sehr viele Freundlichkeiten erfahren und erfreute sich
einstimmiger Bewunderung überall, wo er hinkam. In Rom liefen ihm einige Damen dermaßen
nach, dass ich wirklich besorgt wurde, diese übertriebenen Huldigungen könnten
mir ihn verderben. Er merkte allerdings nichts davon und vermochte es auch
wahrscheinlich gar nicht zu fassen, dass Frauen, die alt genug wären, um seine Großmütter
zu sein, sich allen Ernstes in ihn verliebt hätten.
Es ist eine Thatsache,
dass seine Schönheit (an die ich früher nicht glauben wollte) großes Aufsehen
erregt hat. Eine deutsche Prinzessin erzählte mir, sie sei ihm jüngst auf einem
Balle von Zimmer zu Zimmer gefolgt, nur um ihn bewundern zu können und gab mir
die Versicherung, er sei das schönste Geschöpf, das sie je gesehen habe.
Thatsächlich ist er der schönste Bursche seines Alters, der mir jemals unter
die Augen gekommen ist.
Überhaupt nach jeder
Richtung hin ein herrliches Wesen.
Die Heirat von M- s
Sohn (Es ist hierunter die beabsichtigte
Heirat Charlottes mit dem Sohne von Madame Murat, Witwe Joachims, König von
Neapel gemeint) setzt mich durchaus
nicht in Erstaunen, da sein Onkel allgemein bekannt ist ob der Unbeständigkeit
seiner Pläne, und es überhaupt keinen Franzosen gibt, dessen Wort nicht so
gebrechlich wäre, wie Pastetenkruste. Die Leute am Kontinent Europas haben auch
nicht die entfernteste Ahnung von dem, was Wahrhaftigkeit und Grundsätze sind,
und Niemand kann lange unter ihnen leben, ohne zu gewahren, dass ihnen jedes
moralische Gefühl vollkommen mangelt. So bin ich die erste Reisende, welche die
eigentlichen Genfer Preise herausbekommen hat, und gehörte einige Findigkeit
dazu, sich diese nützliche Information zu erholen. Man bezeugt mir auch große
Achtung ob meiner Geschicklichkeit und hält mich von dieser Zeit ob, wenigstens
anständig-mässiger Preise wert.
Es ist niemals einem
Juden gelungen, sich in Genf einen Unterstand zu sichern. Doch das französische
Sprichwort sagt: „Vier Juden gehen auf einen Genfer.“ Sie sind die klügsten
Europas und die betrügerischsten, die Italiener ausgenommen.