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i n f ü h r u n g
Bedingt durch meine familiengeschichtliche
Forschung, welche grenzübergreifend das Ravensberger und das rheinische Gebiet
betreffen, kam ich nicht umhin, mich auch mit der Geschichte dieser Länder zu
befassen. Was lag da näher, als auf die Gesetze und Verordnungen dieser Zeit zurückzugreifen.
Als wohl das wichtigste Werk darf ich hier
die Sammlung für das Grossherzogthum Berg von Johann Josef Scotti,
Königlich-Preussischer-Regierungs-Registrator nennen, welcher 1822 die
wahrscheinlich vollständigste Sammlung auf eigene Kosten in Düsseldorf drucken ließ.
Bei meinen Überlegungen für eine Aufzeichnung
ließ ich mich primär nach der Landeshoheit, der Verfassung und Verwaltung sowie
teilweise nach der Rechtspflege der jeweiligen Herrscher leiten.
Der wohl zündende Gedanke für eine
Zusammenstellung war Herzog Wilhelm, 1475, Herzog zu Jülich, zum Berge, Graf zu Ravensberg und Herr zu
Heinssberg.
Die wahrlich hochinteressante geschichtliche
Entwicklung im Grossherzogthum Berg, deren Krönung sicherlich die napoleonische
Zeit betrifft, also zwischen 1808 – 1814/15, habe ich in Band 3
zusammengestellt.
Man darf davon ausgehen, dass sich auch in
anderen deutschen Landen, außer im Modellstaat Königreich Westphalen, zu dieser
Zeit ähnliche Zustände abgespielt haben wie im Grossherzogthum Berg. Es soll
daher hierfür Stellvertretend sein.
Die meines Erachtens wichtigsten Artikel habe
ich, analog J.J. Scotti , in 3 Bücher unterteilt. Es betrifft die Zeit für:
Band 1: 1475 – 1765
Band 2: 1767 – 1808
Band 3 1808 – 1815
Davon ausgehend, dass für den einen oder
andern Interessierten wahrscheinlich, für ihn wichtige, Artikel aus dem Scotti
fehlen, wünsche ich dem Leser trotzdem viel Freude beim Eintritt in die
Vergangenheit. Möge er gedanklich die gewaltige europäischen Geschichte an sich
vorbei gleiten lassen.
Weitere Anregungen und Kommentare bitte an:
Rolf Willmanns, Untere Gürle 1, CH 3236 Gampelen
Email: gampelen@yahoo.com
Das Grossherzogthum Berg
Die wechselvolle politische Geschichte mit
den wichtigsten Entscheiden des Großherzogtums Berg, sowie den nachfolgenden
Herzogthümern Jülich, Cleve und Berg,
deren Herrscher die Titel trugen:
- Herzog zu Gülich zu dem Berge, Graffe zu Ravensberg und Herr zu Heinssberg
- Herzog zu Cleve, Julich, zue dem Berge, greue zu der
Marck, ind zo Rauensberg
- Herzog zu Jülich, Geldern, Cleve und Berg, Graf zu
der Mark, Zütphen und Ravensberg,
Herr zu Ravenstein
- Pfalzgraf bei Rhein, in Bayern zu Jülich, Cleve und
Berg Herzog, Graf zu Veldenz, Sponheim, Mark, Ravensberg und Moers, Herr zu Ravenstein
- Pfalzgraf, Reichs- und Erztruchsess, Churfürst,
Herzog zu Jülich, Cleve und Berg
- Pfalzgraf, Reichserzschatzmeister, Churfürst, Herzog
zu Jülich, Cleve und Berg
- Pfalzgraf bei Rhein, in Ober- und Niederbaiern
Herzog, des heilig römischen Reichs Erztruchsess und Kurfürst, wie auch Herzog
zu Jülich, Cleve und Berg
- von Gottes Gnaden König von Bayern, Erzpfalzgraf,
Erztruchsess und Churfürst
- Prinz und Grossadmiral von Frankreich, Lieutnant
Seiner Majestät des Kaisers der Franzosen und Königs von Italien, Großkreuzträger
der Ehrenlegion, Großwürden des Ordens der eisernen Krone, Ritter des preußischen
schwarzen und rothen Adlerordens, Herzog von Cleve und Berg
aufgezeichnet von Rolf Willmanns
Untere Gürle 1, CH 3236 Gampelen
nach der
Sammlung der
Gesetze und Verordnungen
welche in den ehemaligen
Herzogthümern Jülich, Cleve und Berg
und in dem vormaligen
Grossherzogthum Berg
über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung,
Verwaltung
und Rechtspflege ergangen sind.
Vom Jahr 1475 bis zu der am 15. April 1815
eingetretenen
Königlich Preuss. Landes-Regierung
_________________
Zusammengestellt und herausgegeben
von
Johann Josef Scotti,
Königlich Preußischer- Regierungs- Registrator
Erster Theil
Vom Jahr 1475 bis zum Jahr 1765
___________________
Düsseldorf
gedruckt bey Joseph Wolf auf Kosten des Herausgebers
1822
Auszug aus dem Vorwort des Verfassers
Die Gesetzgebung jedes Landes, welche nicht
von Außen aufbedrungen ist, gestaltet sich, und schreitet durch Jahrhunderte
fort, stets in engem Wechselverbande mit der Sitte und Cultur, mit der
religiösen und politischen Verfassung desselben, und sie bleibt, wenn auch im
Einzelnen für das Geschäftsleben unbrauchbar geworden, für die Geschichte und genauere
Kunde des Landes bedeutsam und wichtig.
Die jülich und bergischen Lande insbesondere,
früher schon durch Reichsprivilegien gegen das Andringen des wiedererwachten
römischen Rechtes geschützt, bewahrten mehr als einer ihrer Nachbarstaaten
deutsche Rechte und Gewohnheiten, und der hier mitgetheilten Gesetzgebung
fehlte es eben dadurch nicht an Eigenthümlichkeiten, welche, theils aus alter
Sitte herstammend, theils aus der nach und nach sich gestalteten Erfassung
hervorgegangen, über jene wie diese ein der Berücksichtigung nicht unwerthes
Licht verbreiten.
Außerdem aber kann eine Gesetzgebung, welche
Jahrhunderte hindurch bestanden hat, wenn auch eine durchaus neue an ihre
Stelle getreten ist, nie sogleich und ganz aufhören, ihre verbindende Kraft zu
behaupten; ihre genaue Kenntnis wird, rücksichtlich der früher geknüpften, oder
der durch die neue Gesetzgebung nicht vorgesehenen Verhältnisse, auch dem
Geschäftsmanne nützlich, ja fast unentbehrlich bleiben.
Diese
doppelte Rücksicht überzeugte den Herausgeber von der Wichtigkeit einer
vollständigen Zusammenstellung aller in den genannten Landen vor und nach
ergangenen Gesetze und Verordnungen, und bestimmte ihn um so mehr, sich diesem
mühevollen Werke zu unterziehen, als die , nach früherer Sitte und jedesmaligem
Bedürfnis, auf einzelnen Bogen und
Blättern erlassenen Verordnungen, durch keine öffentliche Einrichtung gegen
ihren Untergang gesichert, selbst bei amtlichen Behörden nicht gesammelt,
vielweniger vollständig sich vorfanden.
Zur Ausführung dieses Unternehmens kam es nun
vor allem darauf an, eine Sammlung selbst und zwar eine wo möglich vollständige
und geordnete zu bilden.
Zu dem Ende wurden, nachdem
1) alle in den Registraturen und Archiven der
königlichen Regierung hierselbst zerstreuten Verordnungen sorgfältig
hervorgezogen waren,
2) alle diejenigen Werke, worin sich jülich
und bergische Verordnungen ganz oder auszugsweise abgedruckt befinden,
namentlich die eines Voelz, von Knapp, von Buininck, Bewer und Anderer, als
ergänzende Theile benutzt, sodann
3) die Düsseldorfer Wochenblätter, die
bergischen Gesetzbülletins, die bergischen Präfectur-Acten des
Rheindepartements, und die ost- und westrheinischen Gouvernements-Blätter
extrahirt, und endlich
4) das Gesammelte mit den bedeutendsten Privatsammlungen,
worunter sich jene des Herrn Oberappelations Gerichtsrathen Lenzen zu Cöln
vorzüglich auszeichnete, verglichen, und nach Erfordernis ergänzt.
Durch diese fortgesetzte Vergleichung mit
solchen Privatsammlungen hat der Herausgeber zugleich die Überzeugung erworben,
dass bey der hier folgenden Zusammenstellung nichts Wesentliches fehlt,
wenigstens in so fern nicht, als es ihm, bei seinem desfalls fortgesetzten
Bemühen, bis heran möglich war, sich von dessen Existenz zu versichern.
Ein Theil der Gesetzgebung der auf dem Titel
dieses Werkes bezeichneten Länder musste jedoch ausgeschlossen bleiben; diese Ausschließung
trifft nämlich jene Theile des bezeichneten Ländervereines, welche von dessen
Stamm von Zeit zu Zeit, Theils abgetreten, theils davon abgerissen worden sind.
– Hierin gehören
a) Cleve
und Mark seit ihrer Vereinigung mit Preußen
im Anfange des 17ten Jahrhunderts bis zu ihrer Wiedervereinigung in den Jahren
1814 resp. 1806, und
b) das Herzogthum
Jülich seit seiner Occupation durch Frankreich im Jahr 1794, bis zum
Wiedergewinn desselben im Anfang des Jahres 1814.
Durch diese Nichtaufnahme in die jetzige
Zusammenstellung der bezeichneten Gesetzgebung, während der angedeuteten
Perioden, ist jedoch kein wirkliches Bedürfnis vernachlässiget, indem
rücksichtlich derselben der Hauptzweck der jetzigen Sammlung bereits dadurch
erreicht ist, dass die fragliche Gesetzgebung für Cleve und Mark in der
bekannten Edicten-Sammlung von Mylius, jene spätere aber für Jülich, in der
officiellen Sammlung der für die vier deutschen Departemente erlassenen
französischen Verordnungen, so wie in den Gesetz-Bülletins des französischen
Reiches überhaupt, vollständig erhalten ist.
Wer den Styl der vergangenen Jahrhunderte
kennt, der weiß, wie in einer bogenlangen Verordnung oft kaum einige Zeilen
Disposition, oder auch nur ein geschichtlich bemerkenswerther Punkt enthalten
ist, dem wird es gewiss willkommen seyn, das Wesentliche dieser beschwerlichen
Hülle entladen, und so den treffenden Punkt als reinen Kern herausgehoben zu
finden.
Ihrem ganzen und ausgedehnten Inhalte nach,
wurden demnach aufgenommen:
a) Alle in geschichtlicher Hinsicht
bemerkenswerthen und alle diejenigen Verordnungen, die über irgend einen
Rechts- oder Verwaltungs-Gegenstand als merkwürdige Erstlinge in dieser
Sammlung erscheinen:
b) alle jetzt noch gültigen Gesetze und
Verordnungen, wohin auch vorzüglich diejenigen gehören, welche seit der
Wiedergeburt des deutschen Vaterlandes, bis zum Eintritt der königlich preußischen
Gesetzsammlung erlassen worden sind.
Aus der Regierungszeit Herzog Wilhelm
1: Ohne Erlassort auf St.
Remeys-Tag 1475
Wir Wilhelm van Gots gnaden
Hertoug zu Guilge zo dem Berge
Grave zu Ravenssberg ind herr zu
Heinssberg etc.
Bennen dat unse gemeine Ritterschafft, Stede ind
Landtschafft unss gantzen alingen herzogdompss van Guilge zo Irem Erfherrn
entfangen, und uns huldonge und eyde darup gedain haint, as sy Irem rechten
naturlichen Erfgeboren Landtfürsten ind heren schuldig ind pflichtich zo doin
syn. Wir hertjpuch etc. vurss sullen ind willen unser aldern ind vursaren
seliger Gedechtnuss burgen, de sy in dem vurss unsem Lande versatt hedden,
loss, ledig qwyten und schaidloiss halden, ind ouch andere ihre schoult
bezahlen, na raide unser Ritterschafft vurss, Ouch sullen wir unsen Ambluiden
und undersaissen unser Landts vurss brieve ind Siegell halden, de sy von unsen
aldern ind vurfaren haint, de redlich an sy kommen synt, Vort sullen wir alle
unse undersaissen unns Landts van Guilge vurss, by Rechten ind Urdell laissen,
up allen und yglichen steden dair sich dat geueren sall, und in geyner weyss zo
verunrechten. Were ouch yemandts van unsen undersaissen unss Landts vurss
veronrech an synre Erffschafft, of an einichen anderen gueden, dat wir schuldig
weren afzodoin, dat sullen wir afdoin. Vort sullen wir roiff ind brandt uisser
unsen vurss Lande weren mit unser gantzer macht, und sullen dess nit laissen in
eyncher wyss. Vort fullen die bruchen van unserm vurss Lande by iren guden
alden Rechten ind gewonheiden und zo Scheffen urdeill blyven stain,
ussgescheiden die bruchen, die unss mit Rechte und Scheffen urdell zogewysst
werden, de lyf und guet antreffent, dess hain wir unsem gemeinen Lande vurss
eyne sunderlinge gnad und gunst gegeven und gedain, doin ind geven mit craft
diss briefs, also dat dat verburde guit half sall blyven den Erven, und dat
andere halve deyll in behoiff der Gleyger und unser up gnaide, und want unse
Ritterschafft unss Landts vurss allwege gewoenlich gewest synt Iren heren zo
helffen zo Irme Rechten antreffende Ire vurss Landt, dessgelychs sy unss vort
doin sullen up unse Kost, gewyn und verlust davan wir In ouch gude heuftherrn
syn sullen, van sulchem verlust ind schaiden sy der hulpen haven mochten,
Sullen wir sy ouch ind vort alle unse undersaissen unss vurss Landts beschirmen
verantwortten und vertheidigen vur alre mallich zo Irme Rechten na alle unser
macht. Vort en sullen wir unse Erven noch nakomlinge geyne versetzonge,
beschwerunge noch erstliche gifft van erffschaft in dem vurss unsem Lande van
Guilge doin, sonder noit, wissen ind rait unser Rhede ind Ritterschafft unss
Landts vurss, of die meiste Part davan sonder argelist, Vort so willen wir
auch, dat die boise snoide handelung, ass dat Intscharcken, uisser unserm Lande
van Guilge mit gantzer macht gekeert und gewert wird, also dat der geyn de dat
gedain hedde, dem en sall geyn guet van dess wyffs of Kindts wegen dat
intschaeckt were, na folgen, dan wir willen dat sulch guit ind Erve valle an
die neiste Erven, gelich of die intschaeckte Persohn gestorven were, und der
geyn der sulche missdait gedain hedde sall unss Landts vom Guilge zo ewigen
Dagen verdreven blyven, ind of der man de sulchs gedain hedde, up vrescher daet
kregen wurde, of namalss in unse Land queme, dem sall man tasten an syn lyff
und guit, ind were dat in dem zotast der of yemandt van synre hulpen doit bleve
of gewundt wurde, deghiene die dabei of handde dich da ab weren, sullen dess
gensslicen van uns of unsen nakomlingen unbedadingt blyven in eyncher wyss,
Were ouch Jemands, de disselne de sulche intschaeckunge gedain hedde, hulp,
bystandt, stuyre, huyss of herberge herzo gedain of gelcent hedde, deselven sy
weren wer sy weren, sullen in derselven bruchen mit lyff und mit guite unss und
unsen nakomlingen ervallen syn, gelych ass derselve de die intschaeckonge
gedain hedde. Wir en fullen geyne brief noch siegeln over Briefe ind siegell
die wir vurgeven haven, geven. Ouch sullen ind willen wir unse vurss Landt ind
Ambten bestellen ind regieren mit unsen undersaissen unss vurss Landts und nit
mit frembden, ind of wir sulches heren boven deden, den en sall man doch nit
durffen gehorsam syn. Ouch en sullen unse Rede, Ambtluide und Vrunde unss vurss
Landts, den wir unse Ambte sachen und dedinge bevehlen, geynen unredlichen noch
ungebürlichen wynkouf nehmen noch heven. Wir sullen und willen ouch alle
manlehen die unse Aldern und vurfaren vur und wir na verschreven haben die
binnen diesen neisten vurleden drissig jaren und geburlich gefordert und
betzailt synt, doin betzailen an allen enden und in yglichen unser Landen dair
die bewust und verschreven synt, so dat geyn unser Lande noch undersaissen des
halven zo last ind schaiden komen, sondern orglist. Ouch sullen wir alle unse
undersaissen, Stede und Vryheiden unss Landts van Guilge vorgenannt behalden
und laissen by iren alden priviilegien, rechten und gueden gewoenden,