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[Bemerkung: Berichte nur bis 1973, wo Amshausen noch ein eigenes Dorf war!] |
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| [Geographische Lage]
[Geologie] [Die Amshausener Landschaft und ihre Vegetation] [Der Hauptkamm des Teutoburger Waldes] [Die Kalkberge] [Die Sandebene] [Gewässer] [Schlussbetrachtung] |
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[Geographische Lage]
Das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Amshausen erstreckt sich vom Hauptkamm des Teutoburger Waldes in südwestlicher Richtung über die kalkigen Seitenketten hinweg in die davor liegende Sandebene hinein. Die Begrenzung ist auf Abb.1 zu erkennen. Innerhalb des Gemeindegebietes liegen die Südwesthänge des Bußberges, - der mit seinen 306m über NN zugleich die höchste Erhebung auf Amshausener Grund darstellt - des Petersberges, des Gottesberges und eines Teils des Hengeberges. Davor erstreckt sich von Ascheloh herkommend ein breites Längstal bis auf Steinhagener Grund. Es trennt im nördlichen Zipfel von Amshausen den Großen Berg und den Hellberg vom Hauptkamm des Osning.
Abb.1: Die Grenzen der Gemeinde Amshausen bis 1972
Südöstlich des Hellberges finden wir ein ausgeprägtes Quertal, durch das der Pfotenbach in die Ebene abfällt. Daran anschließend teilt sich der Kalksteinrücken in zwei Höhenzüge auf. Der südliche wird durch den Jakobsberg und den Kleinen Berg gebildet. Dazwischen liegt das Gelände des ehemaligen Kalkwerkes "Teutoburg". Den zwischen Jakobsberg und Hauptkamm liegenden Höhenzug nennt man die Hohe Liet. An ihrem Fuß entspringen mehrere Quellen. Innerhalb des Längstales, das durch die Kaistraße erschlossen wird, vereinigen sich die Quellbäche und bilden schließlich den Landbach, der neben dem Pfotenbach das zweite, wichtige Fließgewässer in Amshausen darstellt. Etwa in der Höhe der Trasse der B68 hört das Bergland abrupt auf. Von hier ab erstreckt sich eine flache, sanft abfallende Sandebene bis in die Emsniederung hinein. Während das Bergland nur dünn besiedelt ist, finden wir die dichteste Besiedelung am Fuße des Jakobsberges und des Kleinen Berges. Sie reicht etwa bis zur Bahnlinie Bielefeld - Osnabrück. Davor finden wir wiederum eine Wiesen- und Ackerlandschaft mit einigen verstreut liegenden Bauernhöfen. Wenn wir noch weiter in südwestlicher Richtung gehen, erreichen wir schließlich das Waldgebiet der Patthorst. Dort läuft der Grund der Gemeinde Amshausen kurioserweise in einem schmalen, nur etwa 250m breiten Streifen aus. In der äußersten Spitze erreichen wir zugleich den tiefsten Punkt mit einer Höhe von 95m über NN. Die Grenzen von Amshausen umschließen eine Fläche von ca. 800ha. Wer diese ganz umwandern möchte, hat einen Weg von 16,5km zurückzulegen. Er kommt dabei an einer ganzen Reihe von Nachbargemeinden vorbei. Es sind im einzelnen, wenn man im Norden von Amshausen anfängt: Ascheloh, Isingdorf, Kirchdornberg, Steinhagen, Brockhagen und Künsebeck. Das Zentrum von Amshausen - der Jakobsberg - liegt auf 52° 2' Nord und 8° 25' Ost. Der längste Tag dauert daher hier 16 Stunden und 40 Minuten und der kürzeste 7 Stunden und 40 Minuten. |
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[Geologie]
Wenn wir verstehen wollen, wie der Teutoburger Wald und damit der Amshausener Boden entstanden ist, müssen wir bis in das Mittelalter der Erdgeschichte zurückgehen, was vor etwa 230 Mill. Jahren begann und vor ca. 60 Mill. Jahren endete. Die Geologen unterteilen diesen Zeitraum noch in die Trias-, Jura- und Kreidezeit, wovon die letztere die jüngste ist. Während des Erdmittelalters war Europa zumeist von riesigen Meeren überflutet. Die darin lebenden Organismen starben ab und sanken zu Boden. Auf diese Weise bildeten sich im Laufe von Jahrmillionen Meeresablagerungen von mehreren 100m Dicke. Gegen Ende der Kreidezeit, also vor rund 60 Mill. Jahren, verdunsteten die Meere, und es setzte in unserem Raum die sogenannte saxonische Faltung ein. In unserer Heimat wurden dadurch die anfangs waagerecht liegenden Meeresablagerungen durch gewaltige horizontal wirkende Kräfte nach oben gedrückt (Abb.6a). Der Sattel dieser Wölbung riss oben ein, und es bildete sich eine lange Bruchfalte, die von den Geologen als "Osning - Spalte" bezeichnet wird (Abb.6b). Sie erstreckt sich bei uns von NW nach SO und liegt auf der anderen Seite des Teutoburger Waldes. Längs der Bruchlinie sank der Südflügel, die sogenannte Münstersche Kreidetafel, um ca. 1000m ab. Dabei richteten sich ihre Schollenenden an der Osningspalte steil auf, so dass die anfangs waagerecht liegenden Schichten nunmehr fast senkrecht aufgerichtet sind (Abb.6c). Am Nordflügel setzten sofort die Abtragungskräfte (Niederschläge und Wind) ein und schufen eine Gestalt, wie sie in Abb.6d dargestellt ist. Die Ablagerungen der Kreide-, Jura- und Triasformationen besitzen unterschiedliche Härtegrade. Es wechseln weiche, wenig widerstandsfähige Mergelschichten mit harten Plänerkalkablagerungen ab. Das hatte zur Folge, dass die Erosionskräfte (insbesondere der regen) an den in Abb. 6d dargestellten Schollenenden Profile von langen gleichlaufenden Bergzügen herausmodellierten. Wir finden die heutigen Täler an den Stellen, wo Mergel- und Tonablagerungen zu Tage treten, und die Bergzüge dort, wo Plänerkalk- oder Sandsteinschichten vorhanden sind. Auf diese Weise entstand im Laufe von vielen Millionen Jahren unser Teutoburger Wald. Wie die Schichten speziell in Amshausen gelagert sind, und wie sie im einzelnen bezeichnet sind, ist der Abb.7 zu entnehmen. Wir sehen, dass der Hauptkamm des Teutoburger Waldes aus dem harten Osningsandstein gebildet wird, während im Längstal nach Ascheloh verschiedene Mergel auftreten. Das Massiv des Hellberges und des Großen Berges besteht aus Cenoman - Kalk. Davor lagern wiederum verschiedene Mergelschichten, die allmählich immer waagerechter werden, je weiter man nach SW kommt.
Abb.6: Die Entstehung des Teutoburger Waldes (stark vereinfacht)Abb.7: Geologischer Querschnitt durch Amshausen (vereinfacht) Wir erkennen auf Abb. 7, dass der Boden auf dem wir im Amshausener Bergland stehen, aus Ablagerungen der Kreidezeit besteht, die zwischen 60 und 100 Mill Jahre alt sind. Versteinerungen, die aus den Tieren der Kreidemeere entstanden sind, können wir heute in großer Zahl in den Steinbrüchen der Kalkberge als Zeugen der Urzeit wiederfinden. Eine weitere tiefgreifende Umgestaltung erfuhr unsere Heimat während der (quartären) Eiszeit. Sie liegt, gemessen an dem viele Millionen Jahre währenden Erdmittelalter, noch gar nicht lange zurück; denn sie begann hier vor etwa 600.000 Jahren und ging vor ca. 10.000 Jahren zu Ende, das heißt zu einer Zeit, wo schon Menschen in dieser Gegend lebten. Während dieses Zeitraums stießen mehrfach Gletscher aus dem Norden kommend auf unser Gebiet vor. Mindestens 3 Vereisungsperioden sind nachweisbar. Die Schmelzwasser lagerten auf der jüngsten Kreideschicht, dem Emschermergel (Abb.7), riesige Sandmassen ab. Darüber hinweg glitten in einem zweiten Vorstoß erneut Eismassen, welche beim Auftauen alle steinigen und erdigen Verunreinigungen, die sie aus Skandinavien mitgeschleppt hatten, zu Boden sinken ließen. In diesen Ablagerungen, die man als Grundmoräne bezeichnet, entdecken wir Feuersteine, Kiese und gelegentlich große rundgeschliffene Steinblöcke aus nordischem Granit oder Gneis - die sogenannten Findlinge. Bei der letzten Vereisungsperiode verweilte die Gletscherfront dicht an der NO - Seite des Teutoburger Waldes. Die von den riesigen Eisflächen kommenden Schmelzwasserströme wuschen die Täler aus und lagerten den herausgelösten Gebirgsschutt sowie gewaltige Sandmassen auf der SW - Seite bis hin zur Emsniederung ab. Die Ablagerungen, die in der Nacheiszeit - also in den letzten 10.000 Jahren - noch einige Umwandlungen, insbesondere Entkalkung der Mergeleinstreuungen erfuhren, bilden heute den Boden von Nieder-Amshausen. |
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[Die Amshausener Landschaft und ihre Vegetation]
Am Ende der Eiszeit mag unsere Heimat eine vegetationslose Sand- und Schlammwüste gewesen sein. Mit dem allmählichen Ansteigen der Temperaturen siedelte sich zunächst Tundrenvegetation an - so, wie wir sie heute noch in arktischen Gefilden vorfinden können. Sie wurde schließlich über mehrere Zwischenstufen durch eine Phase intensiver Bewaldung abgelöst. Mit Ausnahme von offenen Wasserflächen, Mooren und Felsen war bei uns praktisch alles Land mit Wald bedeckt. Doch dann begannen die hier lebenden Menschen die Landschaft mitzugestalten. Vor etwa 1000 Jahren wurden von den Neusiedlern etliche Waldungen gerodet, um Platz für Acker- und Weideland zu schaffen.
Abb.8: Amshausen aus der Luft gesehen - im Vordergrund Butterweg und Upheider Weg, im Hintergrund der Bußberg (freigegeben durch Reg.Präs. Münster Nr. 8725/82))
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| Abb.9: Der Pfotenbach zwischen B68 und Bahnlinie |
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[Der Hauptkamm des Teutoburger Waldes]
Wir wollen uns aber nun die Amshausener Landschaft des 20. Jahrhunderts ansehen. Dabei beginnen wir zweckmäßigerweise auf dem Hauptkamm des Teutoburger Waldes und gehen von dort in südwestlicher Richtung ins Tal hinab. Der den Hauptkamm bildende Osningsandstein verwittert zu einem gelbbraunen, nährstoffarmen Boden, der zudem nur eine Mächtigkeit von 10-20 cm erreicht. Ursprünglich war dieser mit anspruchslosen Baumarten wie Kiefer und Birke bewachsen. Doch, wie schon zuvor erwähnt, wurde dieser Wald von im Tale siedelnden Menschen als Holzlieferant und als Weidefläche für das Vieh genutzt. Infolgedessen verschwand bereits vor Jahrhunderten die Bewaldung des Hauptkammes, und es breitete sich eine ausgedehnte Heidefläche aus, in der die Besenheide eine dominierende Rolle spielte; denn gerade diese Pflanze profitiert von dem ständigen Verbiß durch das Weidevieh, da sie durch häufiges Zurückschneiden zu intensivem Wachstum angeregt wird. Die nachwachsenden Bäume konnten jedoch die Beweidung nicht vertragen. Sie gingen zumeist wieder ein oder bildeten abenteuerlich gestaltete Krüppelformen aus. Nur ein Strauch blieb wegen seiner extrem harten Nadeln von den hungrigen Mäulern der Schafe und Ziegen verschont: Das war der Wacholder. So kommt es, dass in den Heideflächen zahlreiche Wacholder zu finden waren. Nachdem die Beweidung vor einigen Jahrzehnten eingestellt wurde, breitet sich die ursprüngliche Vegetation - das heißt der Wald - wieder aus. Man beobachtet seit vielen Jahren, wie der Wald aus den Tallagen allmählich wieder bis zum Kamm vordringt. Die Kronen der heranwachsenden Bäume beschatten den Boden. Damit nehmen sie der Besenheide und dem Wacholder die Lebensbedingungen; denn beide sind als extrem lichtliebende Pflanzen auf direkte Sonneneinstrahlung angewiesen. Es sind im wesentlichen Birke, Eiche, Kiefer und Faulbaum, die sich ihr angestammtes Terrain wieder zurückerobern. Dazu kommt, dass man in den letzten Jahrzehnten auf dem Hauptkamm zahlreiche Fichtenkulturen anpflanzte. Daher ist heutzutage die für den Teutoburger Wald über Jahrhunderte typische Heidelandschaft bis auf wenige Reste auf dem Petersberg und auf dem Gottesberg verschwunden. Doch mancher ältere Amshausener Bürger wird sich noch gut an die längs des Kammweges verlaufende Wacholderheide erinnern können und wohl auch an manche reichhaltige Bickbeerenernte, die er einsammeln konnte; denn auch die Heidelbeere und in geringem Maße die Preißelbeere waren charakteristische Pflanzen der Heideflächen. (Abb. 2u.3)
Abb.2: Reste der ehemals ausgedehnten Wacholderheide auf dem Petersberg. Das Vordringen der Bewaldung ist deutlich zu erkennen
Abb.3: Reste der ehemals ausgedehnten Wacholderheide auf dem Petersberg. Das Vordringen der Bewaldung ist deutlich zu erkennen
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[Die Kalkberge]
Wenn wir nun vom Kamm in das Tal hinabsteigen, ändert sich das Vegetationsbild schlagartig; denn hier betreten wir fruchtbaren Mergelboden, der stellenweise von einigen eiszeitlichen Lößlehmablagerungen überdeckt ist. Das Längstal vor dem Osninghauptkamm wurde wegen seines guten Bodens bereits frühzeitig gerodet und damals wie heute als Acker oder Wiesenland genutzt. Wenn wir weiter nach Südwesten gehen wollen, müssen wir wieder bergauf steigen, denn wir kommen in den Bereich des Cenomankalkes, der wesentlich höher als die davor liegenden Mergelschichten ist. Er hat den jahrmillionen wirkenden Erosionskräften standgehalten und so zum Beispiel das Massiv des Hellberges gebildet. Die daraufliegende Bodenschicht ist nährstoffreich und bietet vielen Pflanzen gute Wachstumsbedingungen. Heutzutage sind die kalkigen Höhenzüge fast alle mit Buchenwald bestanden. Zudem hat sich dort im Laufe der Jahrtausende eine typische Kalkflora herausgebildet, die insbesondere im Frühjahr das Herz eines jeden Naturfreundes erfreut. Weit über Amshausens Grenzen hinaus ist das Naturschutzgebiet "Jakobsberg" bekannt. Es ist berühmt geworden durch seine Leberblümchen, dessen blaue bis violette Blütensterne bereits im Vorfrühling den noch kahlen Waldboden in großer Zahl schmücken. (Abb.4) Während diese Blume in Süddeutschland häufig anzutreffen ist, wird sie in Richtung Norden zunehmend seltener. Nördlich von Hessen wird sie praktisch nicht mehr beobachtet. Es ist daher umso erstaunlicher, dass das Leberblümchen in der Nähe seiner Verbreitungsgrenze so häufig auftritt. Der Grund dafür dürfte bis heute nicht bekannt sein. |
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| Abb.4: Leberblümchen (Hepatica nobilis) - das Wahrzeichen von Amshausen |
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| Abb.5: Die Wiesenschlüsselblume (Primula veris) - ein nicht so häufiger Bewohner des Jakobsberges |
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[Die Sandebene]
Wir wollen aber nun die Kalkberge verlassen und uns in die davor liegende Sandebene begeben. Auch diese war - wie das Bergland - vor langer Zeit von einem dichten Wald bedeckt. Dieser erlitt dasselbe Schicksal wie die Bestände am Hauptkamm. Sie wurden weitgehend gerodet, und das Weidevieh verhinderte durch ständigen Verbiss des Jungwuchses eine Wiederbewaldung. Daher breitete sich auch in der Amshausener Sandebene schon vor Jahrhunderten eine kilometerweite Heidefläche aus. Bei den Bauern war es damals üblich, die Einstreu für ihre Viehställe durch Plaggenhub in der Heidefläche zu gewinnen. Dadurch verarmte die obere Bodenschicht immer mehr an Nährstoffen, was zwar den anspruchslosen Heidesträuchern nichts ausmachte, den Bäumen aber die Existenzgrundlage nahm. Auch auf diese Weise trugen die damaligen Bewohner der Amshausener Flur, wohl mehr ungewollt, zur Ausbreitung der Heide bei. Ihre sonstige Nutzung war gering. Sie taugte nur als Weidefläche für anspruchsloses Vieh, wie Schafe oder Ziegen. Ein nicht zu unterschätzender Erwerbszweig war auch die Bienenhaltung. Manche Bauern mussten damals einen Teil ihrer Abgaben in Form von Honig entrichten. Hier muss auch noch auf eine mehr exotische Erwerbsquelle der früheren Amshausener hingewiesen werden, die nur wegen ausgedehnter Heidefläche entstehen konnte: Das war das Wacholderbeerenschlagen. Es wurde schon zuvor erwähnt, dass die Wacholderbüsche in den Heideflächen sehr verbreitet waren. Ihre Beeren, die im Laufe von zwei Jahren heranreifen, wurden überall in der Naturheilkunde verwandt. Bei uns aber dienten sie vornehmlich dazu, einem gewissen, stark alkoholhaltigen Getränk den unverwechselbaren Geschmack zu verleihen. Es wurde anfangs auf den Höfen für den Eigenbedarf gebrannt. Etwa seit dem 19. Jahrhundert wurde es in großem Umfang industriell hergestellt. Man kann wohl sagen, dass es unsere Nachbargemeinde Steinhagen weltberühmt gemacht hat. Heutzutage ist von den riesigen Heideflächen in der Amshausener Sandebene nichts mehr übrig geblieben. Man hat es versäumt, auch nur einen kleinen Teil zu erhalten. Nur noch einige Flurbezeichnungen, wie Deterts Heide, Hasenheide, und Upheide, weisen auf das frühere Aussehen der Amshausener Landschaft hin. Die letzten Heideflächen verschwanden Mitte der vierziger Jahre, als sich Industriebetriebe auf der Hasenheide ansiedelten und im unteren Tiergarten die "Behelfsheime" errichtet wurden. Doch es gibt noch einen untrüglichen Hinweis auf die Existenz der früheren Heideflächen: Wer irgendwo in der Sandebene ein Loch in die Erde gräbt, wird bald auf eine harte, fast schwarze Bodenschicht stoßen, den Ortstein oder "Päcksgen", wie er im Volksmund genannt wird. Seine Entstehung ist ursächlich mit der Existenz einer jahrhunderte andauernden Heidevegetation verknüpft. Der Regen wusch aus dem sauren Rohhumus der Heidesträucher sogenannte Humussäuren aus, diese zerstörten im Laufe der Zeit die Tonmineralien des Bodens. Die herausgelösten Bestandteile sickerten nach unten und bildeten die dunklen Ortsteinhorizonte, in denen sich beispielsweise Eisen nachweisen lässt. Man kann daher sagen, dass überall dort, wo "Päcksgen" gefunden wird, sich früher Heideflächen ausgebreitet haben müssen. Heutzutage sieht die Sandebene völlig anders aus. Wir finden jetzt verschiedene Siedlungszentren, mehrere Industriebetriebe und landwirtschaftlich genutzte Flächen (Abb.8).
Abb.8: Amshausen aus der Luft gesehen - im Vordergrund Butterweg und Upheider Weg, im Hintergrund der Bußberg (freigegeben durch Reg.Präs. Münster Nr. 8725/82))
Die Äcker brachten erst dann nennenswerte Erträge, nachdem sie gründlich gedüngt waren; denn eine ehemalige Heidefläche mit darunter liegendem Ortstein stellt wohl den armseligsten Boden dar, der bei uns vorkommt. |
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[Gewässer]
Unser Gemeindegebiet ist arm an nennenswerten stehenden und fließenden Gewässern. Es gibt zwar eine Reihe künstlich angelegter Teiche, deren Oberfläche aber selten größer als 200 m² ist . Sie dienten früher zum Betrieb der Mühlen. Heute werden sie vornehmlich zur Fischzucht gebraucht. Die wichtigsten Fließgewässer, die die Amshausener Flur durchströmen, sind der Pfotenbach (auch Foddenbach geschrieben) und der Landbach. Beide haben ihren Ursprung im oberen Längstal vor dem Hauptkamm des Osning. Sie setzen sich zusammen aus vielen kleinen Rinnsalen, die dort meist sehr versteckt zutage treten. So entspringt z.B. der Landbach in mehreren kleinen Quellen, die in einer Senke zwischen dem Bergrücken der Hohen Liet und dem Holiets Feld liegen. Am Sürenbrink vereinigt sich dieser Wasserlauf, der in trockenen Sommern schon mal versiegt, mit der Schierenbeeke, die in der längs der Kaistrasse gelegenen Feuchtwiese zwischen Raumann und Hülsegge entspringt. Das auch jetzt noch winzige Bächlein erhält einen spürbaren Zufluss in der Wiese, die sich unmittelbar hinter dem Hof Schierenbeck erstreckt. Dort tritt aus einer Felsspalte eine merkliche Menge Wasser aus, so dass man ab hier von einem richtigen Bach sprechen kann. Der in unmittelbarer Nähe der Quelle gelegene kleine Teich wurde früher im Volksmund als "Schirmken Wellen" bezeichnet. Dorthin brachten früher etliche Amshausener Hausfrauen auf Schubkarren und in großen "Tubben" ihre Wäsche, um sie dort in dem klaren Wasser zu spülen. Am Landbach lagen auf Amshausener Grund früher 3 Mühlen, von denen die letzte - die Jückemühle - Mitte der 60iger Jahre verschwand. Erhalten geblieben sind bis in die heutige Zeit nur die Stauteiche der Mühlen. Der Pfotenbach besitzt ebenfalls mehrere "Quellflüsse". Die unscheinbaren Quellen liegen sehr versteckt an den Hängen des Petersberges und des Gottesberges in ca. 200m Meereshöhe. Die Gewässer fließen in einer Wiese, die unterhalb der Höfe Stüssel und Dellbrügge liegt zusammen. Dazu gesellt sich noch ein Rinnsal, das in der Nähe des Anwesens Heitkämper entspringt. Der so gebildete Pfotenbach erhält eine gewaltige Verstärkung, wenn er die neben dem Sägewerk Dröge gelegene "Wellenwiese" durchfließt. Dort sprudeln in einem unter Erlenbüschen gelegenen Quellsumpf gleich mehrere Quellen aus dem Untergrund empor. Es ist eindrucksvoll anzuschauen, wie der Sandboden durch das austretende Wasser in eine ständige Wirbelbewegung versetzt wird. Unterhalb der B68 hat sich der Pfotenbach im Laufe der Zeit in eine mehrere Meter tiefe Senke eingegraben, die man als "Siek" bezeichnet (Abb.9). Wegen des geringen Gefälles fließt der Bach in abenteuerlichen Windungen am Boden des Sieks langsam dahin, oftmals bei starker Wasserführung seinen Lauf wechselnd. An den Bachufern hat sich eine typische Sumpfflora angesiedelt, während links und rechts des Sieks eindrucksvoller Buchenwald wächst. |
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| Abb.9: Der Pfotenbach zwischen B68 und Bahnlinie |
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[Schlussbetrachtung]
Wie aus den vorangegangenen Schilderungen hervorgeht, ist die Amshauser Flur auch heute noch - trotz einiger Negativbeispiele - abwechslungsreich gegliedert, und es lohnt sich, sie mit offenen Augen zu durchstreifen. Wichtig ist, dass der ideelle Wert einer intakten Landschaft erkannt wird und Maßnahmen zu ihrer Erhaltung ergriffen werden. Mit einigem Aufwand an Zeit, Geld und Arbeit ließen sich auch zerstörte Landschaftsteile wieder renaturieren. Es wäre schön, wenn die Worte, die der unvergessene Heinrich Meise im Jahre 1950 über unsere Heimat geschrieben hat, auch heute noch in Zukunft ihre Gültigkeit behalten könnten: "Nicht majestätisches Hochgebirge, nicht die Wirkungsstätten mächtiger Naturgewalten ziehen uns hier in ihren Bann. Uns grüßt beim Wandern die einfache, aber vielbewegte Lieblichkeit sanfter Landschaftsformen. I n der Harmonie zwischen Natur und Kulturlandschaft werden Wald und Wiese, Busch und Feld, Hügel und Ebene, Laubwald und Nadelwald, freie Bergeshöhen und schattige Täler zu einer bunten, mannigfaltigen Melodie, in der jede Jahreszeit ihren besonderen Klang hat. Man muss auf den Kämmen unserer Eggen in der Einsamkeit und Weite abgeschiedener Natur den schönsten Wanderweg Nordwestdeutschlands, den Hermannsweg gewandert sein, beim Sausen der Föhren und Wacholder, den Blick über die meerweite Ebene schweifen lassen, oder man muss im bunten Bauernland zwischen dem Feldmosaik und Büschen und Wiesen hinschreiten, an alten Bauernhöfen und Schlössern hin, um auch auf diese Weise die Geschichte dieses in seiner ununterbrochenen stillen Entwicklung einfachen Landes auf sich wirken lassen, und auch seine Bauerngeschlechter kennen lernen, die dieses Land formten, dann wird man es lieben, seine Sorgen teilen und mit der Tat erwidern, was es an Segen schenkt." |
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